Stellungnahme 14.07.2026
Der QWN Vereinsvorstand hatte geplant, in die Sommerpause zu gehen, doch ein aufgeregtes Posting der NEOS Wiener Neustadt sowie eine reißerische Skandal-Headline des Lokalmediums MeinBezirk zwingen uns zu dieser Stellungnahme.
Zur Einordnung:Der Verein QWN veranstaltet die Wiener Neustadt Pride rein durch die ehrenamtliche Arbeitszeit und Mühe queerer Personen und ihrer Unterstützer:innen. Daher arbeiten wir gerne mit Organisationen zusammen, die sich an der Ausrichtung der Veranstaltung beteiligen und die unsere grundsätzlichen Werte teilen. Dazu zählen vor allem die Befreiung von und der Schutz vor Ausgrenzung, Unterdrückung und Misshandlung, der Kampf gegen Diskriminierung und für Sicherheit aller queeren Menschen, in Wiener Neustadt und darüber hinaus.
Die von den NEOS angegriffenen, auf dieser Veranstaltung teilnehmenden Organisationen, dazu zählen etwa die KPÖ, die RKP und SOLAWI, entsprechen unserer Einschätzung nach klar diesen Kriterien. In diesen Organisationen sind selbst viele queere Menschen engagiert und wir sind sehr froh darüber, dass sie mit uns auf die Straße gegangen sind und sich solidarisch mit uns gezeigt haben. Auch wir sind solidarisch mit ihnen.
Von den vier Stadtregierungsparteien nahmen keine Vetreter:innen an der Organisation im Vorfeld teil. Dass nun eine der Oppositionsparteien die Regenbogenparade von außen angreift, inklusive Positionierung in Medien, ohne zuvor in Kontakt mit uns in Kontakt zu treten, schadet der aufkeimenden queeren Bewegung in Wiener Neustadt.
Die NEOS Wiener Neustadt zeigen mit ihrer Herangehensweise ein Stück weit, welchen Stellenwert die Pride für sie hat, wenn ihre politischen Ansprüche nicht erfüllt werden. Wir möchten an dieser Stelle klarstellen: Wir, die queere Bewegung selbst, bestimmen, welche Themen auf der Pride Platz finden und wie. Wir verstehen die Pride primär als eine politische Demonstration und nur sekundär als eine Feier und Darstellung von Vielfalt und Toleranz unterschiedlichster Lebensweisen, nicht umgekehrt. Wir sind gegen die neoliberale Kommerzialisierung und Verwässerung des Ursprungsgedankens der Pride als Aufstand gegen staatliche Repression. Für uns ist selbstverständlich, dass wir queeren Perspektiven eine Bühne geben wollen, die sonst nur selten oder gar nicht gehört werden.
Sowohl die NEOS, als auch die Berichterstattung in MeinBezirk beklagen nun genau diese Perspektiven und damit die Thematisierung von Wohnen, Bodenversiegelung sowie der Verbrechen Israels während der Pride. Sie hätten diese „überschattet“, „übertönt“, und den „Kampf gegen Gesinnungsfeinde vermittelt“, „ohne den lokalen Problemen und Anliegen auch nur ein Wort zu widmen“. „Viele der tatsächlichen Pride-Besucher“ hätten daher die Parade abgebrochen. Dieser Darstellung wollen wir klar widersprechen und unsere eigene Einordnung der Geschehnisse gegenüberstellen: Zwei der drei kritisierten Redebeiträge hatten einen konkreten Zusammenhang mitWiener Neustadt und dessen Lebensqualität. Alle hatten einen Zusammenhang zum Thema LGBTIQ+. Das Thema Wohnen ist ein queeres Thema, da queere Menschen wohnen müssen. Das Thema Bodenversiegelung ist ein queeres Thema, da queere Menschen unter versiegelten Böden leiden. Das Thema Pinkwashing von Kriegsverbrechen und Massenmord ist ein queeres geopolitisches Thema.
Es ist inkorrekt, dass die Spitze des Demozugs von roten Fahnen dominiert gewesen wäre, an der Spitze des Zugs fuhr ein Polizeiwagen. Am Ende des Demozugs befanden sich neben verschiedensten queeren Flaggen auch 5 Fahnen roter Gruppen. Die Lautstärke und Präsenz von Parolen wie „Free Palestine“ wird von uns in direktem Austausch mit den jeweiligen Organisationen bearbeitet, wie es für eine solidarische Bewegung selbstverständlich sein sollte. Unterbinden oder gesondert aufarbeiten wollen wir diese Geschehnisse nicht, da diese erwähnten Gruppen aktiv daran beteiligt waren, für Demo-Teilnehmende einen sicheren Weg vom Bahnhof zum Hauptplatz und wieder zurück zu schaffen, da es in den letzten Jahren zu Attacken auf Pride-Teilnehmer:innen kam. Seitens der Stadt und des öffentlichen Fernverkehrs haben wir um aktive Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheit von Teilnehmer:innen gebeten, konkrete Schritte dazu blieben leider aus. Auch haben besagte Gruppen kostenlos Wasser bereitgestellt, worüber wir aufgrund der Hitze (die etwa durch Bodenversiegelung verschlimmert wird) sehr froh waren.
Die große Mehrheit der Besucher:innen war die gesamte Pride über mit uns unterwegs, nur die NEOS zogen frühzeitig ab. Als queere Bewegung verschließen wir nicht die Augen vor humanitären Krisen in Österreich und darüber hinaus. Deshalb zeigen wir uns solidarisch mit allen Leuten und Organisationen, denen es ein aufrichtiges Anliegen ist, queere Menschen von Unterdrückung und Diskriminierung zu befreien. Mit uns solidarische Organisationen, die über den Ackerrand hinausblicken und geopolitische Themen aufgreifen, sind ein wichtiger Teil dieser Bewegung. In diesem Sinne laden wir alle Menschen, die unsere Sache unterstützen wollen, dazu ein, mit uns in Kontakt zu treten und uns zu schreiben. Wir freuen uns über jede helfende Hand bei der Vorbereitung und Umsetzung der Wiener Neustadt Pride und hoffen, auch nächstes Jahr wieder konstruktive Beiträge für die Gesellschaft leisten zu können.